IMAGO – Peter Pohl & Christian Heß

05.04.2019 – 09.05.2019, Sedanstr. 1, 83022 Rosenheim, Mo-Fr 9-18 Uhr u.n.Vbg.

© Peter Pohl

© Peter Pohl

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© Christian Heß

© Christian Heß

Vernissage: 5. April, 19-21 Uhr
Aktion Künstler zeichnen am runden Tisch: 27. April, 16-18 Uhr
Ort: designbüro x-height, Sedanstr. 1, 83022 Rosenheim
Öffnungszeiten: Mo-Fr 9-18 Uhr und nach Vereinbarung
Medienpartner: Cityguide Rosenheim

Imago. Metamorphe Bilder

Der Begriff „Imago“ bedeutet in der Übersetzung aus dem Lateinischen so viel wie „Bild“ oder „Abbild“. Er wird auf verschiedenen Gebieten als Fachterminus benutzt. Sprachhistoriker verweisen bei der Etymologie gern auf Ovids Metamorphosen, weil der antike Autor ein sehr gekonntes Spiel mit der Bandbreite des Begriffs betreibt, was dessen Bedeutung für spätere Wortnutzung prägt, und andererseits in den Mythen auf die Komponente der Verwandlung eingeht.1

Im Antiken Rom wurde das Wort zur Bezeichnung der Totenmaske benutzt, die Verstorbenen aufs Gesicht gelegt wurde. Einerseits kaschierte sie die Verwesung, andererseits war das ein Stellvertreterobjekt, das dem Verstorbenen eine symbolische Teilnahme an der eigenen Bestattung erlaubte. Danach wurden solche Imagines von der Familie als Erinnerungsbilder zu Hause aufbewahrt. Die Psychologie hat diese Vorstellung vom Erinnerungsbild für sich adaptiert. Carl Gustav Jung verstand unter Imago das Phänomen des unterbewussten Bildes, das in Erinnerung aufkommt, wenn wir an einen bestimmten Menschen denken. In der Zoologie beschreibt Imago das letzte Stadium des erwachsenen Insekts nach der Verpuppung. Es bedeutet soviel wie „so sieht ein Tier dieser Art aus“.

Die Ausstellung bezieht sich auf mehrere Facetten des Begriffs. Die Werke beider Künstler resultieren aus der tiefen Naturverbundenheit, sind jedoch keine Naturstudien, sondern ein sehr persönlicher Zugang zum gegebenen Naturbild, das als interpretiertes Abbild eine abstrahierte Form annimmt.

Für Peter Pohl sind Insekten seit mehreren Jahren die wichtigste Inspiration. Ohne sie direkt nachzubilden, schafft er „flügelnde, spiegelnde“ Plastiken,2 die an Chitinpanzer der Käfer erinnern. Sein Wohn- und Arbeitsraum ist voll mit Insektenkästen. Käfer, Heuschrecken, Schmetterlinge werden genauestens studiert, in zahlreichen Skizzenbüchern festgehalten, dekomponiert, um im Prozess einer „intensiven Figurationsdynamik“ „als dramatisch herausisolierte Details“, wie Hanna Stegmayer schreibt – auf die Leinwand oder in Plastiken übertragen zu werden.3 Der Künstler gibt zu, sie gerade deshalb so interessant zu finden, weil sie den formalen Aspekt beinhalten, den er immer gesucht hat: ständige Variation der Form durch minimale Verstellung der Gliedmaßen, Farben, Handhabung der Symmetrie. Alle Insektenkörper sind meist auf Symmetrie angelegt, aber selten ist sie perfekt und gerade diese Abweichung macht sie spannend, oft überraschend schön.

Die Insektenwelt ist für Peter ein kleines Universum, ein Teil der Wirklichkeit, er sieht darin Metamorphosen und Lebenszustände „...eben diesen Kreislauf, in dem auch Systeme aufgebaut werden. Diese Sachen haben doch auch sehr viel mit mir als Mensch zu tun.“ - sagt Peter im Interview mit Rainer Malkowski.4

Für die Ausstellung IMAGO schuf der Künstler unter anderem zwei Objekte, die nach dem Prinzip entomologischer Kästen aufgebaut sind. Er betont auch gern, es sei eine Trophäensammlung, aber ohne zu töten. Nach einem naturwissenschaftlichen Prinzip aufgereiht, jedoch ohne empirischen Anspruch. Der Künstler arbeitet mit Schalungen, die die Form der Insektenpanzer nachahmen, legt Tüll hinein – beides, um eine Form und Oberfläche zu erzeugen, die dem Vorbild nahe steht, und dann wird Porzellan hineingedrückt und mit den Händen bearbeitet, bis der Künstler zufrieden ist. Jede Plastik ist eine vollendete Metamorphose. Wie ein Insekt, und doch nicht ganz. Wie ein Gesicht oder eine Maske, ein Imago. Jede ist individuell, der Künstler sieht sie doch wie kleine Selbstbildnisse, was kafkaesque Assoziationen anmutet.

Als Pendant dazu bietet Christian Heß eine Blütenschau in Form einer skulpturalen Edition und einer Installation. Aus dem fest installierten „Kunstrasen“ lässt er glänzende bunte Gipsplastiken wachsen. Der aufmerksame Betrachter wird ein charmantes Detail darin entdecken: in den Bogenprofilen dieser Skulpturen verbirgt sich immer eine Herzform.

Die Herzform ist ein sich wiederholendes Motiv bei Christian Heß. Die Entscheidung zu dieser Wahl fiel aus widersprüchlichen Gründen. Zum einen reizte den Künstler die lakonische Schönheit der Form. Symbolisch ist das Herz jedoch stark belastet, zuweilen bis zur Abwertung. Diesem Kitsch-Image wollte der Künstler trotzen. Seine Herzen werden perfekt geformt, aber nie explizit gezeigt. Sie werden in größeren Formen versteckt, diese wiederum werden zerlegt, in sich gedreht, neu zusammengesetzt oder nur teils verwendet. Der Christian gibt zu, in diesem Prozess dem eigenen Spieltrieb und Vorliebe für Baukastensysteme nachzugehen. Die Betrachter werden in ein Gedankenlabyrinth gelockt.

In der Ausstellung werden zum großen Teil Werke in Rottönen gezeigt. Sowohl in der Zeichnung als auch in der Skulptur verwendet der Künstler diese Farbe in seinem Oeuvre am häufigsten. Christian Heß liebt diese Farbe für ihre Kraft, sagt er in einem Gespräch, aber auch dafür, dass sie trotz dieser Kraft nicht so endgültig sei wie Schwarz.5 Er schätzt die Lebendigkeit ihrer Nuancen. Bedenkt man all das, ist der Vergleich der botanisch angehauchten Kunstraseninstallation mit pulsierenden Adern gar nicht so abwegig.

1Vgl. Florian Cramer: Der Begriff Imago, 2000 www.cramer.pleintekst.nl/all/imago/imago.html [25.03.2019]

2Bodo Hell, in: Kat. Ausst. Gleitflug, Rosenheim 2012, o.S.

3Hanna Stegmyaer: Peter Pohl, Rosenheim 1996, o.S.

4Interview mit Rainer Malkowski, in: Kat. Ausst. Peter Pohl. Grenzgänge, hg. vom Kunstverein Rosenheim, Rosenheim 1994, o.S.

5Gespräch zur Ausstellungskonzeption mit Christian Heß am 8. März 2019.

© Olena Balun


IRON BUTTERFLIES - Eva Gentner

21.03.2019 – 30.03.2019, Smudajescheck München, Schwindstr. 3 | U2 Theresienstr., DO/FR 11 – 18 h | SA 11 – 16 h, MI n. V.: 0176 - 27 03 00 28

© Eva Gentner

© Eva Gentner

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© Eva Gentner / Tänzerin: Miriam Gronwald

© Eva Gentner / Tänzerin: Miriam Gronwald

Vernissage: 21. März, 19-21 Uhr
Ort: Galerie SMUDAJESCHECK, Schwindstr. 3, 80798 München
Öffnungszeiten: Do+Fr 11-18, Sa 11-16 Uhr, Mi nach Vereinbarung

Eva Gentners Hauptanliegen ist das sinnliche Erlebnis der Materialität. Dabei setzt sich die Künstlerin intensiv mit dem Sinnbild der Haut als Berührungsorgan auseinander. Sie schafft flexible Betontextilien aus dünn gegossenem Zement mit angemischten Pigmenten auf Jute. So entstehen Reliefs mit faltigen, hautähnlichen Strukturen, die mit einer Fragilität überraschen und ein taktiles Bedürfnis evozieren. Auch Kleidung gehört zu den zentralen Themen der Künstlerin. Zementkimonos werden in der Ausstellung skulptural installativ präsentiert, zudem erlaubt eine Videoarbeit den Einblick in die Zusammenarbeit mit Tänzern, die diese Körperarchitekturen zum Leben erwecken.


Gert Wimmer

8.12.2018 –28.12.2018

 
© Gert Wimmer

© Gert Wimmer

 

Press Release

Ausstellung von Gert Wimmer 
8.-28. Dezember 2018
Projekt KunstSchauFenster. Christmas Edition
kuratiert von Dr. Olena Balun
Eröffnung: 8. Dezember 2018, 17-19 Uhr
Ort: Strickraum, Am Esbaum 12, 83022 Rosenheim

Für den Advent 2018 hat KunstSchauFenster eine Überraschung vorbereitet. Diesmal wird im kleinen Schaufensterformat im Strickraum, dem Kreativlabor für Strick im Esbaum-Viertel, eine Weihnachtsausstellung mit Kunstschaukästen von Gert Wimmer gezeigt.
Gert Wimmer kennen viele Rosenheimer dank seiner klein- bis mittelformatigen Assemblagen, in denen der Künstler poetisch und humorvoll Versatzstücke unseres Alltagslebens verarbeitet. Vergleichbar mit der Tradition der Arte Povera schafft er Werke, in denen vermeintlich „armes“ Material aus Flohmarktfunden, Weggeworfenem und „Edelschrott“ verarbeitet wird. Durch oft unerwartete ästhetische Konstellationen verleiht der Künstler ihnen eine neue Wertigkeit. 
Im Mittelpunkt dieser Ausstellung stehen Werke, deren Ästhetik, Material und Symbolik weihnachtlicher Thematik nahe sind. Monstranzen-artige Guckkästen werden in den Schaufenstern zu größeren Kompositionen arrangiert. Diese Installationen wirken vertraut und überraschend zugleich, animieren zum Schauen, Entdecken und Nachdenken, sie zeigen wie banalste und unbedeutendste Dinge sich zu einem bedeutungsvollen Element in dem entstandenen Kunstkontext transformieren können. 


DAS IST ALLES NUR IN DEINEM KOPF – Hannes Stellner und Bernhard Paul

3.11.2018 – 30.11.2018

© Hannes Stellner, Installation  the carpet too is moving under you , Kunstraum Klosterkirche Traunstein, 2005, Foto Klaus-Maria Einwanger

© Hannes Stellner, Installation the carpet too is moving under you, Kunstraum Klosterkirche Traunstein, 2005, Foto Klaus-Maria Einwanger

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© Bernhard Paul, modus L2, Lithografie

© Bernhard Paul, modus L2, Lithografie

Press Release

Vernissage: 3. November 19-21 Uhr
Ort: designbüro x-height, Sedanstr. 1, 83022
Öffnungszeiten: Mo-Fr 9-18 Uhr und nach Vereinbarung
Medienpartner: Cityguide Rosenheim

Die Ausstellung „Das ist alles nur in deinem Kopf“ zeigt Werke der zwei Rosenheimer Künstler, Hannes Stellner und Bernhard Paul. Das zentrale Thema der Schau ist die Versinnbildlichung der akustischen Empfindungen in der Malerei, Grafik und Bildhauerei. Trotz Wahrnehmung durch unterschiedliche Sinnesorgane sprechen wir sowohl in der Bildenden Kunst als auch in der Musik vom Ton und seiner Färbung, vom rhythmischen Aufbau der Komposition und der Harmonie. Immer wieder nimmt die Bildende Kunst die Herausforderung an, musikalischen Klang durch vermeintlich „stille“ Medien zu wiedergeben. Das wohl bekannteste Beispiel dafür war Wassily Kandinsky.

Für Bernhard Pauls Malerei hat Musik eine enorme Bedeutung. Steve Reich, Frank Zappa, John Cage sind Musiker, die seine Bilder inspiriert haben und deren Kompositionen namensgebend für seine Gemälde waren. Ganz besondere Rolle räumt der Künstler den Werken des deutschen Komponisten Wolfgang von Schweinitz ein, dessen langgezogenen Töne mit der „Neuen Musik“ der Avantgarde des frühen 20. Jahrhundert vergleichbar sind. Von Schweinitz' Kompositionen klingen wie ein Orchester, das sich einstimmt, wie ein Herantasten an eine Tonfolge. Um eine Melodie darin zu erfassen, muss sich der Zuhörer auf die Musik einlassen, ihr Zeit geben.

Bernhard Paul geht ähnlich in seiner Malerei vor. Seine Werke basieren auf einer Abfolge langgezogener, fein nuancierter Linien mit einer subtilen rhythmischen Struktur, die bei längerer Betrachtung immer stärker hervortritt. Wie von Schweinitz in der Musik tastet sich Bernhard Paul in der Malerei an ein harmonisches System heran. Und ähnlich wie der Komponist macht Paul den Entstehungsprozess des Kunstwerkes sichtbar. Die kompositionsbildenden Linien legen offen, an welcher Stelle der Pinsel angelegt und wie lange er ausgestrichen wurde, wie viel Druck die Künstlerhand ausgeübt hat. Diese Werke offenbaren eine große Präzision: jeder Pinselstrich ist eine Entscheidung. Gearbeitet wird auf einer ungrundierten Leinwand, die wenig Korrektur erlaubt. Aber vor allem zeigt diese Arbeitsweise, dass ein Kunstwerk trotz Gefühle und künstlerischer Freiheit nicht willkürlich ist. Dasselbe trifft bei der Musik zu. Jedes „funktionierende“ Kunstwerk ist ein System, auch wenn es nicht sofort erkennbar ist, sagt Bernhard Paul.

Die Palette der Ausstellung „Das ist alles nur in deinem Kopf“ ist reduziert, dominierende Töne sind schwarz und weiß, aber auch die sind fein nuanciert mit zahlreichen Schattierungen. Der Klang ist dementsprechend sehr subtil, ein großer Akzent liegt auf der rhythmischen Gestaltung. Schwarz-weiße Arbeiten malt der Künstler erst seit wenigen Jahren. Die Initialzündung war eine Vorzeichnung für ein buntes Gemälde. Diese Vorarbeit hatte eine beeindruckende Wirkung mit wenigen Strichen erreicht. Als Folge entstand 2014 die „modus“-Serie, die einen vielfältigen Minimalismus an den Tag legt. Hier tritt die technische Präzision umso stärker hervor und lässt grafische Wurzeln des Künstlers erkennen und seine Herkunft aus dem Offsetdruck (Vgl. Hanna Stegmayer 2010). Anlässlich der aktuellen Ausstellung schuf Bernhard Paul zwei Editionen, die eine technische Herausforderung darstellten, langgezogene, fein differenzierte Pinselstriche in die Drucktechnik der Lithografie zu übertragen. Das Ergebnis lässt staunen.

Wenn Bernhard Pauls Werke eine subtile Auseinandersetzung mit akustischen Erlebnissen zeigen, geht Hannes Stellner auf den ersten Blick viel direkter mit dem Thema um. Seit Jahren arbeitet der Künstler immer wieder an dem Motiv des Ohres. In verschiedenen Größen und aus verschiedenen Materialien wird das Ohr als ein vielfältiges Metapher in den Raum gestellt. Die symbolische Kraft der Werke entfaltet sich situationsbedingt. Sie sind eine Aufforderung zum Aufhorchen und zugleich eine unmittelbare Verkörperung des Hörsinns an sich. In der Kunstgeschichte gilt die Fähigkeit Ohren und Hände gekonnt darzustellen als Beweis für künstlerische Tauglichkeit, weil diese Körperteile nicht gerade einfach zu zeichnen bzw. zu modellieren sind. Hände werden öfter dargestellt als Ohren. Beides hat in der Kunst eine spezielle Aura. Aber wenn die Künstlerhand Assoziationen mit der Schöpfung mit den Renaissance-Meistern wie Michelangelo erweckt, führt das Künstlerohr schnell zu Van Gogh und somit zum Sinnbild der künstlerischen Sensibilität und Verletzlichkeit.

Auch für Hannes Stellner steht das Ohr als pars pro toto für den Menschen und seine Wahrnehmungsfähigkeit. Eines der besonders berührenden Werke der Ausstellung ist eine Sammlung der Abgüsse der Ohren der Schüler des Künstlers, ursprünglich ein Geschenk an den Lehrer. Jedes Ohr ist mit einem dazugehörigen Namen versehen, so dass die Arbeit einem Gruppenporträt ähnlich ist. Sie verfügt über einen subtilen Humor, greift aber auch tiefer. Sein Körperteil isoliert und schutzlos den anderen zu präsentieren erfordert Mut. Der Lehrer wusste die Geste zu würdigen und umschloss die Sammlung behutsam in einen Schmetterlingskasten.

Der Schmetterling hat zwar keine direkten Berührungspunkte mit dem Hörsinn oder der Musik, aber in beiden Fällen ist die Rede von etwas fragilem, flüchtigem. Gerade weil der Klang etwas ephemeres ist, ist seine Darstellung in einem bildnerischen Medium umso schwieriger. Wenn man im Laufe der Kunstgeschichte bei den gegenständlichen Werken nicht die Musikinstrumente zu diesem Zweck verwendete, dann waren es Ohren der handelnden Personen, die durch Positionierung im Bild, perspektivische Drehung und technische Feinheit auffällig in den Vordergrund gerückt wurden. Hieronymus Bosch trieb dieses Prinzip in seinem Triptychon „Garten der Lüste“ bis an die Spitze. Zur Darstellung der „musikalischen Hölle“ (Martina Conrad) hat er einer Anhäufung der Musikinstrumente zwei überdimensionale, vom Körper losgelöste Ohren gegenübergestellt. Die Größe der Ohren steht sowohl für die extreme Empfindlichkeit als auch für den Ausmaß der herrschenden Kakofonie. Der stechende, schneidende Schmerz wird durch einen Pfeil, der die Ohren durchbohrt und ein Messer, das zwischen ihnen steckt, verkörpert. Jegliches Gleichgewicht, für das übrigens das Ohr physikalisch steht, gerät in diesem Werk aus den Fugen. Die großformatigen Ohrenskulpturen von Hannes Stellner suggerieren definitiv auch eine starke Empfindlichkeit. Er verzichtet in seiner Arbeit auf das Beiwerk wie Musikinstrumente und bleibt lakonisch. Die Oberfläche seiner Plastiken lässt aber den suggerierten Klang nachfühlen. Glattes weißes Stuckgips hört sich anders an als raues, körniges Quarzsand wie beim Werk "Teneriffa“, das schon beim Betrachten ein leises Rauschen in unseren Ohren herauskitzelt. So bekommt der Klang taktile Qualitäten.

Für Hannes Stellner ist das Ohr, das einen Übergang zwischen der inneren und äußeren Welt markiert, mit einem Kunstwerk vergleichbar, das eine Projektionsfläche zwischen der Ideenwelt des Künstlers und des Betrachters ist. Im Sinne von Kandinsky: berührt der Künstler durch Form und Farbe seines Werks die Saiten der Seele des Betrachters, gleicht die Wirkung einem musikalischen Erlebnis. Entstehende Melodie bei den „Hörbildern“ wird bei jedem Beschauer eine eigene sein und spielt sich nur in seinem Kopf ab.

© Olena Balun